Wir waren dabei, waren unterwegs mit Andreas
Albrecht als Tourguide und netten Bikegefährten. Einen Bericht darüber
spar ich mir, denn den hätte Andreas wohl nicht besser schreiben können.
Aber was treibt einem dazu mit dem Bike über
die Alpen zu fahren? Daß ich einen Herzschrittmacher trage und mit meinen
53 Jahren nicht mehr zu den Jüngsten zähle, vereinfacht die Sache nun gar
nicht. Nach überstandener OP und Reha stand die Frage, bist du jetzt krank
oder was soll werden. So fing ich mit den Biken wieder an, es ging immer
besser. Die Anforderungen an mich persönlich schraubte ich immer höher.
Ich habe das Glück, daß meine Frau mit mir das Hobby teilt und so erlebten
wir herrliche Bikeabenteuer im Harz.
Ich erwischte mich immer wieder dabei, daß ich im Internet Seiten über einen Transalp mit besonderer Spannung las. Einmal über die Alpen... Ich würde mir und meiner Frau einen Traum erfüllen, aber wie anstellen? Allein, das gab ich auf, als ich immer intensiver das Thema studierte.
So traf ich auf die Seiten von Andreas Albrecht; informativ und mir schien es sehr sachlich und real.
Das niemand Hurra schreit, um jemanden mit Schrittmacher über die Alpen zu führen war mir schon klar als ich Andreas anrief. Nach vielen Telefonaten, persönlichem Kennenlernen, zwei gemeinsamen Touren war aus der Hoffnung, die Gewißheit geworden: wir machen das!!!
Nach dem grünen Licht trainierten wir, wann es nur möglich war Ausdauer und Bergfahren, trotzdem war da immer der Gedanken Schaffen wir das?
100 Km und 1000 hm waren kein großes Problem mehr, aber 7 Tage am Stück immer am Limit, das hatte ich noch nie erlebt, aber der Ehrgeiz war da und wie sagte Andreas immer "Alles wird gut"
Der Tag an dem alles begann:
Samstag um 10 Uhr, die Anspannung war in mir schon hoch, ich denke
meiner Frau Julia ging es eben so. Dazu kam noch, daß sie als einzige Frau
mit unterwegs war. Das stellte sich im Nachhinein aber nicht als Problem
heraus. Am ersten Tag war mir das Tempo schon sehr hoch und mein
Pulsmesser zeigte mir dieses auch. Laut Anweisung vom Doc durfte ich nie
längere Zeit über 140 kommen. Das mach mal, wenn zügig gefahren wird. Als
Tempomacher stellte sich schnell der Uli heraus, der immer vorn fahren
mußte, so daß das Tempo für mich im gelben Bereich lag. Sagen wollte ich
aber nichts, es war der erste Tag und die Kraft hatte ich locker,... aber
der Puls und schon hatte ich ein kleines Problem...
In Landeck angekommen fühlte ich mich aber noch gut,
wußte aber, daß ich nicht jeden Tag in diesem Bereich fahren durfte. Zu
Hause habe ich trainiert den Brocken in einem Stück mit einem Puls um die
140 zu nehmen, darauf mußte ich mich besinnen. Am Abend wurde das aber
recht freundschaftlich besprochen, so daß es keine Probleme damit mehr
gab. Ich sollte mit Julia zusammen immer im Limit bleiben. Andreas fragte
auch immer wieder nach ob es noch gut lief, so fuhren wir am nächsten Tag
über Ischgl hinauf auf die Heidelberger Hütte. Es war verdammt warm, aber
komischer Weise machte mir das gar nicht soviel aus.
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Rüdiger am Fimber-Pass |
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Um meinen Kreislauf zu schonen nahmen wir von Ischgl 300 hm mit der Seilbahn, was danach kam war noch schwer genug, aber es ging ganz gut und mein Selbstvertrauen festigte sich mit jedem Höhenmeter, der ich der Hütte näher kam. Das Erlebnis die Landschaft hatte mich so fest gepackt, daß alles andere in den Hintergrund rückte, es gab nur noch den Transalp und den Gedanken ich schaff das...
Meine erste Hüttenübernachtung im Massenschlafsaal, hoffentlich kann ich schlafen, morgen kommt ein schwerer Tag.
Irgendwie dachte ich noch an einem Tourbericht aus der Mountainbikezeitung (Touren-Special 2003). Der Verfasser hatte vor Erschöpfung Alpträume von Wölfen die ihn hetzten, vielleicht sogar auf demselben Matratzenlager??? Aber neben mir lag Julia und Uwe aus Belgien, und Wölfe sah ich auch nicht. Andreas nahm seine Ohropax, wünschte ein tolles Schlaferlebniss: Alles wird gut......
Der nächste Tag, keine Wölfe in der Nacht, eigentlich
gut geschlafen. Frühstück und 400 hm schieben zum Fimberpass, da kommen
die müden Knochen in Schwung. Meine erste richtige Passhöhe, da war ich
schon ein wenig stolz. Kniffliger Abstieg aber alles machbar und es ging
immer besser, ich hatte auch Zeit diese grandiose Landschaft zu genießen.
Diesen Anblick der Berge, begreifen wo man eigentlich ist, das kann man,
glaub ich, beim ersten mal gar nicht auf einmal verarbeiten. Abends in der
Jugendherberge in Santa Maria klang ein faszinierender Biketag aus, den
wir ohne Probleme bewältigt haben. Später auf dem Lager gibt der Geist
noch keine Ruhe und die Ereignisse ziehen in unregelmäßiger Reihenfolge
durch den Kopf. Irgendwann fällst du dann in den Schlaf, gespannt auf den
nächsten Tag.
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Glückliches Finale |
| Und der
fing gleich mit 900 hm an, wir bissen uns dort hoch, der Lohn: " Val
Mora". Dieses Tal werde ich wohl nie vergessen können. Das kann man nicht
im Reisebüro buchen, diesen Anblick kann man sich nur verdienen. Ein
schöner Gedanke, der Mut machte auf mehr. Es sollte aber noch besser
kommen. Val di Rezzalo, eine Route die nicht so bekannt ist und uns die
schönste Hüttenübernachtung bescherte. Das war Romantik pur, tolles Essen
und ein netter Hüttenwirt. Herz was willst du mehr. Alle Zweifel, daß mir
mein Gesundheitszustand einen Strich durch die Rechnung machen würde,
waren verflogen. Ich fühlte mich gut und fand bestätigt: halte ich die
Pulsgrenzen ein, gibt es kein Problem. Unser Team hatte sich
zusammengeschweißt und es war schon ein gutes Gefühl in so einer tollen
Truppe gemeinsam zu fahren.
Unser Uwe, als Downhillfahrer brachte
mir noch so manchen Kniff bei. Auf seiner charmante belgische Art, es mir
zu sagen, werde ich mich noch oft erinnern: "Du mußt sehen nicht auf
Stein, sondern wohin du willst fahren. Schaust du auf Stein, knallste auch
dagegen!" Das merkt man sich dann.
Über den Gavia-Pass nach Ponte di Legno und der Tag klang im italienischen Flair aus.
Morgens nach einem guten Frühstück stramm bergauf, der Passo Tonale war das erste Ziel, schön im runden Tritt ging es ohne Schwierigkeiten. Ich hatte meinen Rhythmus gefunden und bin unter 140 den Anstieg gefahren. Das dauert zwar ein paar Minuten länger, aber es ist auch mit Schrittmacher möglich. Andreas fragte immer wieder nach, schien beruhigt zu sein und wußte wohl da schon, daß es gelingen wird.
Madonna di Campiglio, das Etappenziel, ein Traum von einem Ort, gutes Hotel, alles im grünen Bereich. Ich war fast am Ziel meiner Wünsche, nur eine Tagesetappe trennte mich noch vom Lago di Garda.
Der letzte Tag bescherte uns wieder Sonne pur, über 30 Grad, eine rasante Abfahrt, doch später sollte ich aber noch auf einer frisch geteerten Straße nach Dasindo hochstrampeln. Trotz Hitze und Teergestank, ich fühlte mich super. In Dasindo war die Hitze fast unerträglich und ich war froh weiter nach Tenno fahren zu können.
Nach einer flotten Abfahrt standen wir am Hafen in Riva, wir hatten es geschafft.
Ich unterdrückte die Freudentränen und war so stolz wie nie zuvor in meinem Leben, ich es hatte es mir selbst bewiesen, neben mir Julia, die als Frau eine tolle Leistung zeigte.
Faszination Berge, der Kampf mit sich selbst, einfach den Schweinehund überwinden, den Wind und Natur genießen, morgens das frische Tal riechen, Eindrücke die man nie vergißt, das alles macht einen Transalp aus.
Möglich wurde das alles durch einen eisernen Willen und einen guten Tourguide, sowie einem tollen Team, bei dem wir uns hier nochmals bedanken wollen.
Rüdiger und Julia
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